Brüder-Grimm-Schüler zu Gast in Russland

Die Austauschschüler 2018 mit ihren Lehrkräften und der Schuldirektorin Evgenija S. Schlug

„Herzlich willkommen in Russland“, so begrüßte Evgenija G. Schulga die 11 Brüder-Grimm-Schüler und ihre zwei begleitenden Lehrkräfte am Flughafen. Die stellvertretende Schulleiterin des Gymnasiums Nr. 20 und Organisatorin des Schüleraustausches hatte die vierstündige Busfahrt nach Kazan auf sich genommen, um die deutschen Gäste persönlich zu empfangen.

Bereits im April hatten die Brüder-Grimm-Schüler ihre russischen Partner für zwei Wochen aufgenommen. Am ersten Tag nach den Herbstferien hatten sie gespannt ihren Gegenbesuch angetreten. Spät in der Nacht war es endlich soweit: Die deutschen und russischen Jugendlichen konnten sich endlich wieder in die Arme schließen.

Es folgten 10 sonnige und warme Herbsttage, in denen die acht Mädchen und drei Jungen im Alter von 13-15 Jahren Gelegenheit hatten, sich bei ihren russischen Gastgebern als Teil der Familie zu fühlen. Am Wochenende wurde sogar ein bereits geschlossener Freizeitpark eigens für die jungen Gäste geöffnet. Nach einigen Runden in verschiedenen Karrussells ging es über eine schier endlose Treppe hinab zum Ufer der Wolga, die in Uljanovsk „nur“ ca. 5 km breit ist. Der weitläufige Sandstrand und das entfernte Ufer erinnerten die deutschen Gäste deshalb eher an die Nordsee bei Ebbe. Ein rasantes Lasertagspiel und Buchweizengrütze aus der rustikalen Feldküche rundeten den Tag ab, der insgesamt, so die Schülerin Lara Wolff, „ein guter Ausgleich“ zu den Besichtigungen und dem Unterricht war.

In der Schule schnupperten die Jugendlichen in den Alltag der russischen Austauschpartner hinein. Überrascht stellten sie fest, dass diese das Abitur bereits nach 11 Schuljahren ablegen. Die Schulwoche ist dafür länger: „Bislang hat sich die 6-Tage-Woche von Montag bis Samstag bewährt“, erläutert Schulleiterin Zoja S. Borisova. Da der diesjährige Austausch unter dem Motto „AG? Aha…OK!“ stattfand, lernten die deutschen Schüler vor Ort auch das Angebot der Schule kennen: Sie nahmen an der Arbeitsgemeinschaft „Was? Wo? Wann?“ für Schüler mit besonderem Interesse an geographischen, gesellschaftlichen und historischen Fragen teil, erlernten zusammen mit ihren russischen Partner das Lied „Kalinka“ in der Tanzmusik-AG und erfuhren anhand der Präsentation einer Schülerin, wie spannend es sein kann, sich mit Fragen des Familienstammbaums zu beschäftigen. Außerdem besuchten sie das Jugendzentrum „Quantorium“ mit musisch-künstlerischen, naturwissenschaftlichen und technischen Arbeitsgruppen. „Es wäre schön, ein so reichhaltiges Angebot auch bei uns zu haben“, bemerkte Aylin Gerlinger anerkennend.

Das Begleitprogramm war abwechslungsreich: Bei UAZ, dem größten Automobilhersteller Russlands, bestaunten die Jugendlichen eine Ausstellung sämtlicher Fahrzeugtypen seit den 40er Jahren, darunter viele Jeeps und sogar Amphibienfahrzeuge. Das Joint-Venture DMG Mori wurde stellvertretend für das wachsende Interesse deutscher Firmen am Standort Uljanovsk besucht. Insgesamt siedelten sich in den letzten Jahren acht deutsche Firmen in der 600.000 Einwohner zählenden Stadt an. Hier wird auch die „Ruslan“, das größte Frachtflugzeug der Welt hergestellt, das auch als „fliegender Elefant“ bekannt ist. „Für mich war es besonders interessant zu erfahren, welche Materialien im Flugzeugbau verwendet werden“, meint Adrian Beciri. 

Schließlich durften die jungen Deutschen auch einmal ganz entspannt wieder ihre Muttersprache sprechen: Die Leiterin der Pädagogischen Hochschule Uljanovsk, Frau Dr. Olga A. Rtitscheva, und ihre Studenten hießen sie mit einer Präsentation auf Deutsch willkommen, bevor die Studierenden sie über Campus und Altstadt führten. „Der Empfang war ausgesprochen herzlich,“ so Dr. Claudia Nitschke, „die Vorträge sehr gut vorbereitet und informativ.“

Einen ganz besonderen Eindruck hinterließ bei allen Teilnehmern der Besuch beim Bürgermeister der Stadt, nicht nur wegen des warmherzigen Empfangs, sondern auch, weil das russische Fernsehen zugegen war und am folgenden Tag in den Hauptnachrichten über die deutsche Delegation berichtete. „Wir hätten nicht gedacht,“ so die erstaunten Schüler, „dass unser Besuch auf so viel Interesse stößt.“ Als Antwort auf das Gastgeschenk des Eschweger Bürgermeisters Alexander Heppe gab dessen Amtskollegen Sergej S. Pantschin ein Präsent mit, das demnächst durch Oxana Stärke, die Organisatorin des Schüleraustauschs auf deutscher Seite, überreicht werden wird.

Am letzten Tag hieß es dann wieder Abschied nehmen. Zu Ehren der deutschen Gäste fand ein Freundschaftskonzert mit professionellen Tanzeinlagen und Gesangsbeiträgen statt. Bei der anschließenden Disko war für das leibliche Wohl aller durch die Gasteltern bestens gesorgt. Dieser Abschluss kam gut bei den Jugendlichen an, konnten sie doch „noch einmal unter sich“ sein und „sich so auch gut von den Freunden verabschieden“ (Gina-Marie Frank). Der Aufbruch am Morgen war tränenreich, doch kein Abschied für immer. Beide Seiten haben sich fest vorgenommen, den Kontakt zu halten und, wenn möglich, demnächst einander zu besuchen.

Dr. Claudia Nitschke

Schülergruppe im bionanotechnischen Labor des Quantorium

Bericht der WR vom 06.11.2018